Faksimile: Ein Blogartikel aus 2011
Nachfolgend ein unbearbeiteter Blogartikel aus 2011 den ich heute auf blogger.com zufällig wiederentdeckt habe („das Internet vergisst nichts“), der dennoch immer noch Gültigkeit hat:
Als ich um 1990 dieses Bild erstand war mein eigenes Ingenieurbüro noch nicht gegründet. Von den beschwerlichen Kämpfen mit den Normen hatte ich zwar eine Vorahnung, aber in der Jugend glaubt man ja „Normen sind dazu da sich darüber hinwegzusetzen“. Jetzt mehr als 20 Jahre später und um einige Erfahrungen reicher weiß ich: wer sich über Normen hinwegsetzt, seien sie auch noch so unsinnig begibt sich in Gefahr verklagt zu werden. Das Gemälde von Wolfgang Eberlein, einem bekannten Schrobenhausener Künstler (1944 bis 2005), zeigt diese Situation geradezu prophetisch:
Der Ingenieur, wohlgenährt aber sehr ernst in die falsche Richtung dreinschauend, ist mittels einer sehr einengenden Halskrause über ein Rädchen an ein Seil gekoppelt, welches seinen Weg vorbestimmt. Es gibt kein entkommen. Auch wenn sich seitlich eine Tür (zum Licht?) öffnet bleibt ihm nur der Weg an dem einen oder anderen Seil entlang zu gehen. Vielleicht ergibt sich ja ausserhalb des Bildes ein Ausweg- aber die Wahrscheinlichkeit eine „Weiche“ zu finden ist gering. Es bleibt die Hoffnung daß sich aus den Schwimmhäuten Flügel entwickeln können mit denen dieser festgezurrten Situation zu entfleuchen ist. Das alles beschreibt ziemlich genau die Situation in der sich ein engagierter Ingenieur heutzutage befindet. Normen, Vorschriften und Förderkriterien (insbesondere energetische) sind oft extrem erstarrt in unsinnigen, bürokratischen Checklisten deren Abarbeitung Voraussetzung für ein „beschwerdefreies“ Ingenieurleben sind. Ich glaube daß dies nicht der Grundgedanke des Ingenieurberufes war, und habe immer noch die Hoffnung daß ausserhalb des Bildes eine Weiche wartet die zum Licht führt.